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Chinesisch – eine Weltsprache

I. Welche Sprache wird von den meisten Muttersprachlern in der Welt gesprochen?

Wie Sie sicher vermuten, ist dies NICHT Englisch. Englisch rangiert mit ca. 400 Mio. Muttersprachlern auf Platz 2 und weist damit nicht einmal die Hälfte der Sprecher der am häufigsten gesprochenen Sprache auf – Chinesisch. Unter 1 Billion chinesischen Muttersprachlern sprechen etwa 850 Mio Mandarin (das Standard-Chinesisch, das sogenannte Pǔ tōng huà 普通话), einstmalig die Mundart der höchsten Staatsbeamten, der Mandarine.

ill. 24: Bitte Mandarin (Putunghua) sprechen! Qǐng jiǎng pǔtōnghuà!

Dieses Schild ist in vielen öffentlichen Institutionen zu sehen, wie Schulen, Universitäten, auf öffentlichen Plätzen etc. 

 

II. Wie sieht es mit anderen Sprachen oder Dialekten in einer der bevölkerungsstärksten Nationen der Welt aus?

Neben Mandarin sprechen über 250 Mio Chinesen lokale Dialekte, die für Mandarinsprecher mitunter völlig unverständlich sind. Die vier wichtigsten Dialekte darunter sind:

1. Wu (über 90 Mio. Sprecher, ein Dialekt mit einer riesigen Anzahl starker lokaler Varianten): hauptsächlich in der Agglomeration Shanghai und den Nachbarprovinzen Zhejiang, der südlichen Jiangsu-Provinz sowie in Teilen Anhuis, Jiangxis und der Fujian-Provinz gesprochen.

2. Min (über 70 Mio Sprecher): Die am häufigsten gesprochene Variante ist Hokkien, das in den Provinzen Zhejiang, Fujian, der Ningbo-Region und in Südchina, in den Provinzen Guangdong (besonders der Amoy/Xiamen-Region) und Hainan ebenso wie Taiwan verbreitet ist.

3. Kantonesisch (über 70 Mio. Sprecher): Dieser Dialekt wird hauptsächlich in der Provinz Guangdong und Hong Kong gesprochen.

4. Hakka (über 35 Mio Sprecher): Dieser Dialekt ist hauptsächlich in Südchina (der östlichen Guangdong-Provinz) sowie in Fujian und Jiangxi verbreitet. Aufgrund der häufigen historisch bedingten Migration der Hakka-Bevölkerung, existieren in vielen weiteren südasiatischen Ländern größere Gemeinschaften und wie die anderen genannten Dialektgruppen ebenso, in der ganzen Welt.

Außer in der V.R. China werden chinesische Zeichen in Taiwan, Hong Kong, Singapore, Malaysia, Japan, Korea und gelegentlich noch in Vietnam verwendet.

 

III. Chinesisch in anderen Ländern

Chinesische Schriftzeichen waren und sind zum Teil noch immer Bestandteil anderer Sprachen, besonders des Japanischen, Koreanischen und Vietnamesischen. Die Aussprache weicht meistens ab, aber die Bedeutungen blieben erhalten.

ill. 25: Chinesische Siedlungen weltweit

  Länder mit Chinesisch als offizieller, administrativer oder Muttersprache
  Länder mit mehr als 5 Mio Chinesisch Sprechern
  Länder mit mehr als 1 Mio Chinesisch Sprechern
  Länder mit mehr als 500,000 Chinesisch Sprechern
  Länder mit mehr als 100,000 Chinesisch Sprechern
  Großraumsiedlungen von Chinesisch SprechernGroßraumsiedlungen von Chinesisch Sprechern6

 

Chinesisch in Japanisch:

Japanisch besteht aus einer Kombination aus drei verschiedenen Schriftarten:

  1. Kanjis (漢字): modifizierte traditionelle chinesische Zeichen
  2. Hiragana (e.g. ひらがな ): ein Set aus silbischen Symbolen, die dazu verwendet werden, einem Wort die korrekte grammatikalische Form zu geben (z. B. als Suffixe, Präfixe etc.)
  3. Katakana (e.g. カタカナ): ebenfalls ein Set aus silbischen Symbolen, die zur Bildung von Fremdwörtern und fremden Klängen verwendet werden

 

Chinesisch im Koreanischen:

Bis zum 15. Jhd. wurde die gesamte schriftliche Kommunikation in Korea in literarischem Chinesisch geführt. Im 15. Jhd. wurde jedoch durch Sejong dem Großen ein eigenes koreanisches Schriftsystem entwickelt, das heute vollständig gebräuchliche ‚Hangul’. (한국어/조선말,):

Vom 15.-20. Jhd verwendete Korea zunächst in einer Übergangsperiode eine gemischte Schriftart mit überwiegend ‚Hanja’ (koreanische Aussprache für chinesische Schriftzeichen). Hangul wurde lediglich für grammatikalische Suffixe und koreanische Eingeborenenbegriffe genutzt.

Im 20. Jhd. wurde es jedoch populäre, Hangul-Zeichen für Hanja (chinesische Zeichen) zu verwenden. Seit 1970 werden Druckerzeugnisse überwiegend in Hangul veröffentlicht. Hanjia erscheint lediglich in Schlagzeilen, in Abkürzungen (um deren Eindeutigkeit zu garantieren, z. B.日 il für 日本 ilbon „Japan”), in akademischer Literatur oder in juristischen Texten.

Vgl. z. B. die Präambel der südkoreanischen Verfassung:

前文
悠久한 歷史와 傳統에 빛나는 우리 大韓國民은 3•1 運動으로 建立된 大韓民國臨時政府의法統과
不義에 抗拒한 4•19 民主理念을 繼承하고, 祖國의 民主改革과 平和的統一의 使命에 立脚하여 正
義•人道와 同胞愛로써 民族의 團結을 鞏固히 하고, 모든 社會的弊習과 不義를 打破하며, 自律과
調和를 바탕으로 自由民主的基本秩序를 더욱 確固히 하여 政治•經濟•社會•文化의 모든 領域에
있어서 各人의 機會를 均等히 하고, 能力을 最高度로 發揮하게 하며, 自由와 權利에 따르는 責任
과 義務를 完遂하게 하여, 안으로는 國民生活의 均等한 向上을 基하고 밖으로는 恒久的인 世界平
和와 人類共榮에 이바지함으로써 우리들과 우리들의 子孫의 安全과 自由와 幸福을 永遠히 確保
할 것을 다짐하면서 1948年 7月 12日에 制定되고 8次에 걸쳐 改正된 憲法을 이제 國會의 議決
을 거쳐 國民投票에 依하여 改正한다.
1987年 10月 29日
 

Chinesisch in Vietnam

Ähnlich wie in Japan und Korea wurde Chinesisch (das sog. Hántu, vorallem lit. Chinesisch) hauptsächlich von der herrschenden sozialen Klasse verwendet. In Vietnam wurden die Zeichen jedoch allmählich an vietnamesische Zeichen angepasst, so dass ein gemischter Schrifttyp in vielen Varianten, das Chữ nôm entstand.

Da die vietnamesische Volkssprache in der 2. Hälfte des 20. Jhd. allmählich an Prestige wuchs, war Vietnamesisch zu dieser Zeit eine Mischung aus Chinesisch, Hántự und Chữ nôm.

Da während der französischen Besatzungszeit, Französisch Chinesisch als Verwaltungssprache überlagerte, ist das heutige Schriftsystem eine völlige Adaptation an das lateinische Alphabet mit einigen Zusatzsymbolen für Töne und Sonderbuchstaben. Schriftliches, klassisches Chinesisch erscheint nur noch in Regierungsangelegenheiten und hinterließ seine Spuren, ähnlich dem Lateinischen und Griechischen, in abstrakten Begriffen, während auch deren Aussprache von der vietnamesischen Aussprache geprägt wurde.

 


6 Karte der chinesischsprechenden Welt http://www.answers.com/topic/chinese-language. Der Autor ASDFGHJ gewährt jedem bedingungslos das Recht diese Karte zu benutzen, vorbehaltlich dem Fall, dass per Gesetz Konditionen verlangt werden.