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Nach Cangjie’s Legende reicht der Ursprung chinesischer Schrift über 5 tausend Jahre zurück, bis zur Ära des legendären Kaisers Huangdi.
Nach dieser Legende, wurden chinesische Schriftzeichen durch einen Beamten am Hofe eben dieses Kaisers, Cangjie genannt (um 2650 v. Chr.), erfunden. Die Legende besagt, dass Cangjie’s Interesse eines Tages bei der Jagd auf dem Berg Yangxu (heutige Shaanxi-Provinz) von einem Schildkrötenpanzer gefesselt wurde, dessen Adern seine Neugier erregten. Angeregt von dem Gedanken, dass diese Adern in einer logischen Beziehung stehen könnten, begann er die Tiere, Landschaften und Sterne seiner damaligen Umwelt zu untersuchen und erfand ein symbolisches System, dass „zi“ bezeichnet wurde – d.h. erste chinesische Schriftzeichen. Es wird gesagt, dass an dem Tag, an dem diese Zeichen geboren wurden, Chinesen den Teufel trauern hörten und Getreide fallen sahen, da er den Beginn der Welt bedeutete.
Zu Beginn des 20. Jhds. wurden 20 000 Orakelknochen im Dorf Xiǎotún (小屯) bei Ānyáng in der Provinz Hénán gefunden, deren Inschriften erstaunliche Ähnlichkeiten mit altchinesischen Schriftzeichen aufwiesen. Die Inschriften waren Spuren aus Ritualen von Shāng-Dynastie Haushalten (Shāng-Dynastie: 1600–1046 v. Chr.)
Bis heute konnten ca. 15 000 dieser "Jiǎgǔwén” (甲骨文), der Orakelknochen-Schriften mit späteren chinesischen Zeichen identifiziert werden.
ill. 26: Shāng-Dynasty Orakelknochen-Inschriften Ox Scapula, Linden-Museum, Stuttgart |
ill. 27: Bronzeglocke mit Inschrift (Westliche Zhōu -Dynastie, ca. 1100-771 v. Chr.) |
ill. 28: Die Kunst des Krieges ("孫子兵法") von Sun Tzu , Sammlung der Universität Kalifornien, Riverside |
Parallel zur Orakelknochenschrift, existierte ein Buchschrift für Bambusfaltbücher sowie eine ornamentierte bildliche Form, die auf Bronzegefäßen der Zhōu -Dynastie (1045–256 v. Chr.) gefunden wurde. Die Zeichenform auf diesen Objekten ähnelt der Schrift, die man bis heute auf offiziellen oder künstlerischen Stempeln sieht, der sogenannten Siegelschrift (s. Abb unten)
Die Siegelschrift, die sich allmählich im Staat Qín während der Östlichen Zhōu-Dynastie (4.-3-Jhd. v. Chr.) entwickelte, wurde standardisiert und später als offizielle Standardschrift für ganz China unter der Qín-Dynastie (221-206 B.C.) angenommen. Er blieb bis über die Hàn-Dynastie hinaus als Schrifttyp für dekorative Inschriften und Siegel beliebt. Obwohl die Kunst der Siegelgravur bis heute lebendig geblieben ist, sind nur wenige Experten in der Lage, sie mühelos zu entziffern. Trotz der Qín-Schrift-Standardisierung, war zu dieser Epoche jedoch mehr als ein Schrifttyp in Gebrauch.
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ill. 29/30: Stempel mit Siegelschrift (Stempel auf einer Kalligraphie von of Huai Su, Tang-Dynastie (702-785 n. Chr.) Taipei Palast Museum) |
Von der Periode der Streitenden Reiche (426-221 v. Chr.) über die Hàn-Dynastie bis zur späten Östlichen Jìn Dynastie (ca. 310-420 v. Chr.) bildeten sich fünf Schrifttypen aufgrund der parallelen Entwicklung vulgär-populärer, klerikaler sowie höfischer (Siegel-) Schriftarten heraus. Alle fünf Arten sind bis heute in Gebrauch.
Siegelschrift (zhuànshū 篆书)
(siehe Photo oben)
Kanzleischrift (lìshū 隶书)
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ill. 31: Qian Yong (Kanzleischrift): Pinsel und Tinte (The Metropolitan Museum of Art, New York).
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Blockschrift oder Regelschrift (kǎishū 楷书)
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ill. 32: Cài Xiāng 蔡襄 (Nördliche Sòng-Dynastie, Japan Calligraphy Museum, Tokyo)
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Semi-Kursivschrift (xíngshū 行书)
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ill. 33: Wáng Xīzhī, 王羲之 (303–361 v. Chr.., Östliche Jìn Dynastie, Kalligraphie aus dem Orchideen Pavilion, Zhèjiāng Province) |
Konzeptschrift (oder “Grasschrift”, Cao Shu 草书)
Einige der vereinfachten chinesischen und japanischen Schriftzeichen wurden von der Konzeptschrift abgeleitet. Die japanische Hiragana-Schrift (z. B. あからした etc.) entwickelte sich ebenfalls aus der Grasschrift.
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ill. 34: Wáng Xīzhī, 王羲之 (303–361 n. Chr., Östliche Jìn Dynastie, Orchideen Pavillon (lán tíng xù 兰亭序)/Pekinger Palast Museum 北京故宮博物院藏) |
Die Entwicklung der Blockschrift wurde Zhōng Yáo, dem „Vater der Schrift” zugeschrieben (einem Kalligraphisten der Östlichen Hàn- und Wèi -Periode (ca. 151–230 n. Chr.). Es reifte dann in der Östlichen Jìn-Dynastie in Hand des “Weisen der Kalligraphie” Wáng Xīzhī (王 羲之, 303 –361 n. Chr.) und seines Sohns Wáng Xiànzhī (王 獻之, 344–386 n. Chr.) weiter. Wáng Xīzhī ließ den Orchideen Pavillon in der Nähe Shàoxīngs in der Provinz Zhèjiāng zu einem berühmten Wallfahrtsort der Kalligraphie-Begeisterten werden.
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ill. 35: Orchideen Pavillon兰亭序 lántíngxù (in der Shàoxīngs, Provinz Zhèjiāng) |
Nach Ōuyáng Xún (557–641 n. Chr.), dem berühmten Táng Dynastie Kalligraphisten, bewahrte sich die Blockschrift bis heute in ihrer Form.
7 Die Ausgrabungen fanden von 1928-1937 statt.
Die 4 Künste eines chinesischen Gelehrten, dessen Können man spätestens von der Han Dynastie an von ihm erwartete, waren das qín-Spiel (琴, ein Saiteninstrument), das qí –Spiel (棋, ein Brettspiel), shū (书, Kalligrapie) und huà (画 Malerei).
Qín 琴 bezieht sich auf das Instrument Gǔqín, dessen Name aus gǔ (alt) und 'qín' (dem Saiteninstrument) besteht. Die Gǔqín besitzt 7 Saiten und war bereits vor über 3000 Jahren in der chinesischen Gesellschaft bekannt.
ill. 36/37: Qín 琴 (or gǔqín 古琴) Photo: Lingfeng Shenyun (靈峰神韻) |
Qí 棋 bezieht sich auf ein Brettspiel, das heutzutage „Wéiqí” genannt wird (围棋: die wörtliche Bedeutung ist "Spiel der Umgebung", in der westlichen Welt ist es als „Go“ gekannt). Im Wéiqí-Spiel platzieren zwei Spieler abwechselnd schwarze und weiße Steine auf ein Spielbrett, das aus 19x19 Linien besteht. Die Steine werden eher auf die Linienkreuzungen gesetzt (wie im deutschen Mühle-Spiel) als in die Felder hinein wie im Schach.
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ill. 38/39: Szene aus “ Zuó Zhuàn左傳” (das erste chinesische narrative Werk mit Chronik artigen Darstellungen für die Zeitspanne von 722 bis 468 v. Chr., Zhōu-Dynastie)8 |
Shū (书): Kalligraphie, im Gegensatz zum alltäglichen Schreiben, bedeutete, dass Striche zum dramatischen Ausdruck eines individuellen Stils stärker akzentuiert werden konnten. Kalligraphie war damit ein Medium, mit dem Gelehrte ihre Gedanken und Lehren dokumentieren und damit verewigen konnten. Sie stellt deshalb bis heute eine der wertvollsten Spuren (alt)chinesischen Kulturguts dar.
Kalligraphische Prozesse sind ähnlich strukturiert wie das Weiqi-Spiel. Eine minimalistische Anzahl an Regeln bestimmt ein System unglaublicher Komplexität und geistiger Größe. Jedes Schriftzeichen wird in eine geometrische Umrahmung gesetzt, wobei das Quadrat die wichtigste neben dem Dreieck und dem Kreis ist. Die Anzahl an Pinselstrichen hängt vom kalligraphischen Stil ab. Für den Blockstil (kǎishū 楷书) ist die Strichanzahl fest definiert. Bereits ein Strich mehr oder weniger kann ein neues Zeichen mit einer anderen Bedeutung kreieren. Im sogenannten „Grasschrift“-Stil (cǎoshū 草书 ) kann die Strichzahl erheblich je nach Ausdruckspotential des Kalligraphisten variieren. (mehr Informationen zum Thema „Kalligraphie“ erhalten Sie in den Abschnitten “Geschichte im Kurzüberblick” und ““Die 4 Schätze des Gelehrtenzimmers”)
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ill. 40: Caoshu-Kalligraphie von Huái Sù 怀素, Hofname: Cángzhēn 藏真 (737–799 n. Chr., Táng Dynastie) |
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ill. 41: Kaishu-Kalligraphie von Cài Xiāng 蔡襄 (Nördliche Sòng Dynastie, 960–1279 n. Chr.) |
Huà (画 Malerei): In der Malerei konnte ein chinesischer Edelmann seine Beherrschung der Kunst der Linienzeichnung demonstrieren. Chinesische Gemälde wurden meist entweder auf Seide oder auf weißes Reispapier (das seit dem 1. Jhd. nach Chr. zur Verfügung stand) aufgebracht, wobei oft lediglich schwarze Tinte und ein einzelner Pinsel benötigt wurden (ab der Tang-Dynastie wurde dann mehr und mehr Farbe verwendet).
Der wohlbemessene Ausdruck innerer Gefühlsregungen und Persönlichkeit, der sich in der Art der Strichsetzung widerspiegelte, stellte über Jahrhunderte hinweg ein vieldiskutiertes Thema der chinesischen Malerei dar. Die persönliche Geltungskraft sollte im Elan einer einzelnen Linie voll zum Ausdruck kommen. Darin reflektierte sich eine künstlerische Meisterschaft, in der der bewussten Strichsetzung der Vorrang vor irrationaler Kreation gegeben werden sollte.
Um die atmosphärische Qualität von Gemälden zu unterstreichen, wurden häufig Teilpartien auf Seide gezeichnet und der Stoff dann vor der Fortsetzung gewaschen. Diese Methode führte zu faszinierenden Effekten bei der Darstellung von Landschaften und Ritualen.
Fertiggestellte Werke wurden dann wie Kalligraphien auf Papierrollen aufgezogen um sie nach Belieben aufhängen oder transportieren zu können. Andere Präsentationsformen waren faltbare Alben oder Wandgemälde.
Die Tatsache, Maler während der mongolischen Yuán Dynastie (1279–1368 n. Chr.) ihren Gemälden kalligraphische Gedichte hinzufügten, zeigt, wie eng die drei Künste, Malerei, Kalligraphie und Dichtung, verknüpft waren.
Deshalb gehören zu den weltweit bekanntesten chinesischen Gemälden stets die sogenannten „Wasser-Tusche-Gemälde” (shuǐmòhuà 水墨画). Ölgemälde wurden erst im 19th/20th Jhd. in Folge des Einflusses der westlichen Malerei populärer.
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ill. 42: Guō Xī (郭熙,): Vorfrühling (1072 v. Chr.) |
8 weiqimetaphysics.wordpress.com
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