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Chinesisch – eine besondere Sprache

I. Lang- und Kurzzeichen (Die Zeichenvereinfachung)

Trotz der klaren Blockschrift, war selbst im 20. Jhd. eine langjährige Schulbildung für breite Schichten der Bevölkerung notwendig, um schreiben zu lernen. Um die Alphabetisierungsrate zu erhöhen, entschied die Regierung der V.R. China in den 50er Jahren offiziell die traditionellen Langzeichen zu vereinfachen, d.h. die Strichzahl zu reduzieren. Die erste Runde offizieller Zeichen wurde in zwei Dokumenten, das erste 1956, das zweite 1964 herausgegeben.

Beispiele für traditionelle und vereinfachte Zeichen sind:

Tür (mén): 門 > 门          Fahrzeug/Auto (chē): 車 > 车          China (zhōng guó): 中國 > 中国

Die durchschnittliche Strichzahl fiel auf 9.8 Striche für vereinfachte Zeichen.

Die Tatsache, dass eine wirkliche Notwendigkeit bestand, Zeichen für den Alltagsgebrauch zu vereinfachen, wird angesichts der untenstehenden Zeichen offensichtlich. Die Tatsache, dass dennoch viele Leute einen Verlust and Poesie durch die Simplifizierung beklagen, ist angesichts der gleichen Beispiele ebenso verständlich.

ill. 1: dá (48 Striche): "Wie ein Drache im Flug erscheint" (enthält 3 Mal das traditionelle Zeichen für “Drachen” (long))
ill. 2: nàng (36 eine Aussprache, die bei verstopfter Nase entsteht): "schniefen"
ill. 3/4: biáng (57 Striche): Ein Nudelgericht aus der Provinz Shaanxi (dieses Zeichen erzählt eine ganze Geschichte mit den einzelnen Zeichen für Fleisch 月 (hier nicht Mond oder Monat), Hühnchen 鳥, Herz 心, Worte 言, der Erste/der Jüngste 幺 und lang 長, eingerahmt von den Zeichen für weggehen 辶 und Höhle 穴)

Während Mainland China 1956 Kurzzeichen (vereinfachte Zeichen) einführte, werden in Hong Kong, Macau, Taiwan und in bestimmten Situationen in Singapur noch immer Langzeichen (traditionelle Zeichen) gebraucht und gelehrt.

Neben Lang- und Kurzzeichen wurden besondere Zeichen für den Bankverkehr eingeführt, um ein eindeutiges Verständnis bei Transaktionen sicherzustellen. Diese Zeichen wurden jedoch aus den vereinfachten Zeichen entwickelt, in dem diese bewusst mit zusätzlichen Strichen verkompliziert wurden:

(1 = (一),2 = (二),3 = (三), 4 = (四), 5 = (五) etc.)

Viele der vereinfachten Formen wurden bereits lange Zeit zuvor im informellen Gebrauch verwendet, so dass man wieder auf sie zurückgriff. Zum Beispiel erschien das Langzeichen 來 lái (kommen) schon in der heutigen Struktur来in der Grasschrift der Hàn-Dynastie. Das Zeichen 雲 yún (Wolke) wurde bereits in der Orakelknochenschrift der Shāng-Dynastie in der Form 云 verwendet und blieb später als phonetisches Lehnwort in der Bedeutung von „sagen“ im Gebrauche. Das heutige Kurzzeichen erscheint also wieder in Originalstruktur.

Weitere Zeichenveränderungen für Zeichen, die „übersimplifiziert“ wurden, wurden von der chinesischen Regierung für Ende 2009 angekündigt. In dieser Reform sollen einigen Zeichen wieder Striche hinzugefügt werden, um das Verständnis zu erleichtern.1

In den Jahren nach 1945 führte ebenso die japanische Regierungen eine Reihe von Vereinfachungsreformen durch. Viele alte Zeichen außerhalb dieser Standards, blieben jedoch weiterhin beliebt und weitverbreitet, besonders für Personen- und Ortsnamen.

Singapur übernahm schließlich die Reformen der V.R. China, nur Personennamen werden nach wie vor in Langzeichen registriert.

In Malaysia werden heute im Schulunterricht ebenfalls Kurzzeichen gelehrt. Chinesische Zeitungen werden jedoch noch immer in einem gemischten Stil gedruckt. Typischerweise erscheinen Titel in Langzeichen und Textkörper in vereinfachten Zeichen. Malaysisch-chinesische Literaten gelten ebenfalls als Verfechter der Langzeichen.

Chinesische Minoritätengruppen verwenden entweder Hàn-Zeichen, ihre eigenen Sprachzeichen wurden an Hàn-Zeichen angepasst oder Hàn-Zeichen erscheinen in Kombination mit den ethnischen Zeichen (die wichtigsten Minoritätensprachen sind darunter Bai, Dong, Iu Mien, Jurchen, Miao und Nakhi (Naxi) (mit ihrer Dongba Schrift).

Auf der folgen Abbildung ist ersichtlich, inwiefern Hàn-Zeichen Donga-Zeichen beeinflusst haben (ill. 5):

(source: Global NaXi Culture Conservation Society http://www.gnccs.org)


1 cf.: http://www.economist.com/world/asia/displaystory.cfm?story_id=13528023

 

II. Wieviele Schriftzeichen sollte man wissen und wie viele existieren?

Es wird allgemein gesagt, dass man für ein Basisverständnis des Chinesischen ca. 2000 Zeichen benötigt (z. B. um eine Zeitung lesen zu können)2. Eine gebildete Person wird weit über 4000 bis 5000 Zeichen beherrschen.

Die höchste Stufe des Hànyǔ Shuǐpíng Kǎoshì Examens (HSK- Das Standard Examen für Chinesisch) umfasst annähernd 5000 Zeichen.

Diese bereits riesige Menge an Zeichen umfasst dennoch nur ungefähr ein Zwanzigstel der Menge, die man in einem Wörterbuch. Das Kangxi-Wörterbuch von 1931 bezieht sich z. B. bereits auf über 49 000 Zeichen, das Zhōnghuá Cíhǎi Wörterbuch (中华辞海) von 1994 auf über 85 500 und in der 2004er Ausgabe auf über 100 000 Zeichen.

 


2 In der Volksrepublik China, wo Kurzzeichen verwendet werden, listed das Xiàndài Hànyǔ Chángyòng Zìbiǎo (现代汉语常用字表, Chart of Common Characters of Modern Chinese) 2500 allgemein gebräuchliche Zeichen und 1000 weniger gebräuchliche Zeichen auf, während das Xiàndài Hànyǔ Tōngyòng Zìbiǎo (现代汉语通用字表, Chart of Generally Utilized Characters of Modern Chinese) 7000 Zeichen (inkl. der oben erwähnten 3500 Zeichen) listet.

 

III. Radikale und Lautzeichen – Arten und Bestandteile chinesischer Zeichen

Auch wenn Kurzeichen viel von ihrem Bildcharakter verloren haben, können etwa 4% immer noch als „Mini-Comics” betrachtet werden. Sie werden meist in 3 Gruppen eingeteilt:

Über 90% der chinesischen Zeichen3 sind sogenannte „phono-semantische” Einheiten, die sich aus zwei Komponenten zusammensetzen ein bedeutungssuggerierendes Zeichen (das „Radikal“) und ein Lautzeichen, das die Aussprache bestimmt.

Die Bedeutung des Lautzeichens hat häufig kaum etwas mit der Bedeutung des Gesamtzeichens gemeinsam.

Der Anteil dieser Zeichengruppe nimmt stetig zu, da sich mit dieser Art leicht neue, moderne Begriffe kreieren lassen.

(Dennoch muss angemerkt werden, dass im modernen Chinesisch sowohl die Wahl des Radikals als auch des Lautzeichens aufgrund historischer Verschiebungen, der Zeichenvereinfachung und anderen Entwicklungsphänomena nicht mehr viel mit dem Ursprungsgedanken zu tun hat und häufig willkürlich erscheint. Z. B. enthält das Zeichen für „Schlange“ (蛇) das Radikal für Insekten (虫), auch wenn es sich um ein großes, kaum insektenartiges Tier handelt. Die Gesamtaussprache für 蛇 ist „shé“, auch, wenn虫 chóng und它 tā ausgesprochen wird.

Radikale als Nachschlagekriterium in Wörterbüchern

Wenn die Aussprache (pīnyīn) eines Zeichens unbekannt ist, dient das Radikal als Nachschlagekriterium in einem chinesischen Wörterbuch. Anhand der Strichzahl des Radikals kann man dieses in einer Liste (meist zu Anfang oder in der Mitte des Wörterbuchs) ausfindig machen. Dem Radikal wird eine Nummer zugeordnet. In weiteren Listen finden man dann unter dieser Nummer alle Zeichen, die dieses Radikal enthalten und eine Seitenzahl, auf der man das jeweilige Zeichen dann nachschlagen kann.

 


3 Diese Ziffern beziehen sich auf das Kangxi Lexikon von 1716; heutzutage steigt der Anteil; Xu Shen's ”Shuòwén jiězì” (说文解字, ca. 100 v.Chr.) ordnet 82% der Zeichen als phonosemantisch ein.

 

IV. Chinesische Zeichen als "Blockzeichen"

Das ideale chinesische Zeichen besetzt ein quadratisches Feld, das sogenannte “fāngkuàizì“ (方块字):

z.b. or  (ill. 6/7)

Zur Setzung der Striche ist neben der richtigen Platzierung die Strichreihenfolge und Schreibrichtung essentiell wichtig. Diese können Sie im Kapitel „4 Merkhilfen zum Chinesisch Schreiben“ finden.

 

V. „Pīnyīn” und vier Töne: Wie spricht man ein chinesisches Zeichen aus?

In Anbetracht der steigenden Zahl chinesischer Schüler und Studenten, die im 20. Jh. ins Bildungssystem traten, neben einer wachsenden Zahl Ausländer, die an der Erlernung des Chinesischen interessiert waren, entwickelte eine Abteilung der chinesischen Regierung 1958 ein lateinisches Transkriptionssystem für die Aussprache chinesischer Zeichen, die sogenannte „pīnyīn”(拼 音), die „Buchstabierung des Klangs“.

1982 erkannt die Internationale Organisation für Standardisierung die „pīnyīn“ als internationalen Transkriptionsstandard für Chinesisch an.

In Taiwan oder anderen chinesischen Überseegemeinschaften wird häufig noch das vorherige Wade-Giles4 -System verwendet (insbesondere zur Transkription von Namen, z. B. „Wong“ statt „Wang“ oder “T’sing” statt “Qing”). Am 1. Januar 2009 wurde die „pīnyīn“ jedoch auch von der taiwanesischen Regierung als Standardtranskription anerkannt.

Chinesisch als Silben-basierte Sprache

Ein chinesisches Zeichen steht für eine Silbe. In der Regel bestehen Wörter aus 1-4 Silben
(z. B. 街 jiē - Straße, 地 铁 dìtiě – U-Bahn, 三明治 sānmíngzhì – Sandwich - 公共汽车 gōnggòngqìchē – öffentlicher Bus)

Deshalb enthält das, was man als eine Art chinesisches „Alphabet“ bezeichnen könnte mehr Silben als Buchstaben: das sogenannte zhùyīnfúhào (注音符号) oder abgekürzt “zhùyīn” (die lateinische Transkription wird umgangssprachlich “Bopomofo” genannt). Z. B. werden darin Halbsilben und Buchstaben oder zwei Halbsilben (durch Assimilation) zu vollen Silben kombiniert: z. B. b + ang = bang oder mo + ang = mang).

Aus diesem Grund können chinesische Wörter nur in Silben, nicht in Buchstaben zerlegt werden: z. B. das Wort „Computer“: 电脑 diànnǎo oder diàn-nǎo.

Die vier Töne

Chinesisch ist eine Sprache, in der die Tonlage der Stimme die Bedeutung eines Wortes verändern kann. Es gibt vier verschiedene Töne:

Zur Erkennung dieser Töne werden diese in kleinen Symbolen über die entsprechenden Vokale der pīnyīn geschrieben. Man kann bereits anhand dem Verlauf der Linie dieser Symbole erkennen, welchen Verlauf die Stimmlage nehmen muss:

1st Ton: mā (die Stimme bleibt auf dem gleichen Niveau)
2nd Ton: má (die Stimme steigt)
3rd Ton: mǎ (die Stimme wird nach tief unten und wieder hoch geführt)
4th Ton: mà (die Stimme fällt von oben nach unten)

Wie erwähnt, ist die Korrektheit des Tones ist außerordentlich wichtig, da die Bedeutung eines Worts vom Ton abhängen kann.

z. B.
mā (妈): Mutter
má (麻): Sesam
mǎ (蚂): Ameise
mà (骂): ausschimpfen

 


4 Thomas Wade: Britischer Botschafter in China und erster Professor für Sinologie in Cambridge; Herbert Giles: Britischer Diplomat in China und Autor des Chinesisch-Englischen Wörterbuchs von 1892, eines der ersten und umfassendsten Chinesisch-Englischen Wörterbücher.

 

VI. Die pīnyīn als Eingabemethode für Handy und Computer

Heutzutage ist die pīnyīn die häufigste Eingabeschriftart, um Chinesisch auf einem Handy oder Computer zu schreiben. Für letzteren benötigt man eine kostenfreie, bei verschiedenen Anbietern aus dem Internet herunterladbare Software, die sogenannte “shūrùfǎ”, 输入法. Normalerweise öffnet sich am unteren Bildschirmrand eine Suchzeile, in die man die pīnyīn des gesuchten Zeichens ohne Tonsymbole eingibt. Aus der Liste der gefundenen Suchergebnisse wählt man per Klick das gewünschte Zeichen aus und fügt es gleichzeitig in sein Dokument ein. (ill. 8)

 

Eine zweite Eingabemethode ist immer noch sehr in Taiwan und anderen chinesischen Überseegemeinschaften beliebt: die “zhuyin”-Methode (sie wird jedoch mehr und mehr durch die pīnyīn-Eingabe ersetzt).

Die zhùyīn-Eingabemethode

Die zhùyīn-Eingabemethode, war einer der ersten Arten, Chinesisch (und andere asiatische Zeichensprachen) per Computer zu schreiben. Hier wurde jedem Buchstaben ein Zeichenelement zugeordnet, das wiederum einer Halbsilbe oder einem Buchstaben aus dem chinesischen Alphabet (dem „Bopomofo“) entsprach. Insgesamt gibt es 40 Zeichenelemente. Sie wurden von solchen Zeichen abgeleitet, die den Klang des entsprechenden Keyboard-Buchstaben enthalten, z. B. steht ㄅ steht für“b”(herausgenommen aus 包 bāo ) oder ㄆ steht für “p” (herausgenommen aus 攴 pū).

Mobiltelefone mit dieser Eingabemethode sind noch immer auf dem Markt erhältlich. (ill. 9)

Eine dritte Eingabeart wird für solche Personen angeboten, die mit der lateinischer Schrift nicht vertraut sind. Hier funktioniert die Eingabe durch Eingabe der einzelnen Striche eines Zeichens, die auf der Tastatur abgebildet ist. Aufgrund der nun beinahe flächendeckenden Schulbildung und der längeren Eingabezeit wird dieses Verfahren allerdings von immer wenigeren Menschen verwendet.