ALLEN EIN
TOLLES JAHR DES DRACHENS !

AB JETZT, voller Zugang für 1 US$/Jahr (s. "Über uns")

 

 

Kalligraphie (shūfǎ书法) - eine chinesische Kunst

Chinesische Kalligraphien werden traditionell mit einem Pinsel angefertigt.

Kalligraphie gehörte in China bereits von Alters her zu den „4 Künsten eines chinesischen Gelehrten“ und damit betätigte sich ein Gelehrter gleichzeitig immer auch als Künstler. Die wichtigsten Werkzeuge des Kalligraphisten waren die sogenannten „4 Schätze des Gelehrtenzimmers“ (wénfángsìbǎo 文房四宝): Pinsel, Tinte, Tintenreibstein und gutes Papier. (ill. 10)


I. Schreibpinsel (máobǐ 毛 笔)

Pinsel wurden allgemein als Verlängerung eines Kalligraphistenarms betrachtet und besaßen damit körpergliedartige Qualitäten.

Der Stiel des Pinsels war i. d. R. aus Bambus gefertigt (als teurere Materialien sind rotes Sandelholz, Glas, Elfenbein, Silber, und auch Gold bekannt).

Der Pinselkopf enthält Haare oder Federn von einer breiten Auswahl an Tieren (Hasen, Kaninchen, Wiesel, Ziegen, Tiger, Hühner, Enten u.a.). Es besteht eine Tradition in China und Japan, dass aus dem Haar eines Neugeborenen ein Pinsel als lebenslanges Erinnerungsstück gefertigt wird. Dieser Brauch geht auf die Legende eines alten chinesischen Gelehrten zurück, der in einem kaiserlichen Examen als Erster abschnitt und dabei seinen persönlichen Pinsel verwendete.

In moderner Kalligraphie werden gelegentlich normale Stifte verwendet, aber diese Art genießt nicht das hohe Renommee der Pinsel-Kalligraphie.

(ill. 11/312)

 

Wie hält man den Pinsel?

Ein vieldiskutiertes Thema der Kalligraphie ist, wie halt man den Pinsel richtig? Für gewöhnlich wird der Pinsel senkrecht von Daumen und Mittelfinger gehalten. Der Zeigefinger berührt des oberen Pinselstiel, um ihn zu stabilisieren, während der Ring- und kleine Finger den Stiel weiter unten so abhalten, dass ein Hohlraum in der Handfläche entsteht. Je nach Schreibstil kann der Griff geändert werden. Normalerweise wird der Pinselstil für kursives (freieres) Schreiben weiter oben und für regelmäßige Schriften weiter unten gehalten.

(ill. 13-15)

 

II. Tinte (mòshuǐ 墨水, “schwarzes Wasser”) und Stangentinte (mò 墨, “schwarze Erde”)

Chinesische Tinte wird traditionell aus Pinienruß, and Öl und Lack hergestellt (manchmal werden medizinische Düfte oder Weihrauchharze hinzugefügt).

Es wird in der Form von fester Stangentinte verkauft, die mit etwas Wasser auf einem Reibstein aufgerieben waren muss, bis die Flüssigkeit die richtige Konsistenz auf weist. Viel preiswertere Tinte ist auch in Flaschenform erhältlich, sie wird wegen der minderwertigen Qualität jedoch eher zu Übungszwecken verwendet. Chemisch hergestellte Tinte verblasst schneller. Traditionell wird mit schwarzer Tinte geschrieben, aber in der modernen Kalligraphie wird auch mit farbiger Tinte experimentiert.

 

III. Reibstein (yàntái 砚台)

Zum Zerreiben der Tinte wird ein Reibstein aus Stein oder Keramik verwendet. Ausgeklügeltere Steine hatten bereits im Altertum Vertiefungen für einen Wasservorrat, die später als Tintenvorrat weiterentwickelt wurden. Tintensteine können sehr teuer sein. Die renommiertesten kommen aus Duanxi (Guangdong), der She Grafschaft (Anhui) oder Luoyang (Henan).

(ill. 16/17)

 

IV. Papier (xuānzhǐ 宣纸)

Das beste Kalligraphiepapier, das sogenannte xuānzhǐ (宣纸), kommt traditionell aus der Anhui Provinz. Es wird aus dem Holz des Tartar wingceltis Baum (Pteroceltis tartarianovii), as well as other materials including Reisstroh, der Rinde des Papiermaulbeerbaums (Broussonetia papyrifera), Bambus-, Hanfbestandteilen u.a. hergestellt.

Um das Papier auf dem Tisch festzuhalten, wird ein Papiergewicht (zhènzhǐ 镇纸) daraufgelegt. Papiergewichte haben meist eine stabähnliche Form und werden als eigene Kunstwerke aus geschnitztem Holz, Jade, Elfenbein u.a. gehandelt.

Um Anhaltspunkte für die geometrische Ausrichtung der Zeichen zu haben, legen Schüler und Studenten meist eine Filzunterlage mit vorgedrucktem Karomuster (huàzhān 画毡) unter das durchscheinende Papier.

(ill. 18/19)

(Für Informationen über kalligraphische Schreibstile, siehe vorheriges Kapitel „Was hatte es mit Schildkrötenpanzern, Orakelknochen und dem Orchideen-Pavillon auf sich?“)

V. Siegelstempel (yìn zhāng 印章) und Siegelpaste (zhūshā 朱砂)

 

Kalligraphische Arbeiten werden traditionell mit einem roten Stempel, der die Unterschrift des Künstlers darstellt, abgeschlossen. Die Stempelprägungen konnten insbesondere im Altertum sehr ornamentreich und komplex ausfallen, was die Fälschungswahrscheinlichkeit verminderte. Der sogenannte „neunmal gefaltete“-Stil (九叠文jiǔdiéwén) enthielt so viele Verzierungselemente, dass er selbst von Experten nur noch schwer entziffert werden kann.

 


ill. 20: Siegel von Ilkhan Ghazan unter seinem Brief an Papst Bonifazius VIII (1302): „Das Siegel zertifiziert die Authorität Ihrer Königlichen Hoheit, dieses Land in Besitzt zu nehmen und die Bewohner zu regieren” ("王府定國理民之寶")

Die durchschnittliche Seitenlänge chinesischer Stempel überschreitet selten 2-5 cm. Besondere Siegel wie das Regierungssiegel der Volksrepublik China können jedoch schon einmal auf 9 cm und mehr kommen.

Chinesische Stempel werden typischerweise aus Halbedelsteinen mit quadratischer Grundfläche angefertigt (hochwertige Stempel bestehen meist aus Jade, touristische Namensstempel meist aus Speckstein)5. Die quadratische Form wurde lediglich in der Song Dynastie zu einem Rechteck verändert, jedoch in der Qing-Dynastie wieder zur quadratischen Form zurückgeführt

Heutzutage sind verschiedenartige Formen (häufig Kreise oder Ovale) üblich. Stempel als Ersatzunterschrift sind nach wie vor sehr beliebt: als Regierungssiegel, Unternehmensstempel, individuelle Namensstempel, als Abdruck persönlicher Motti oder Philosophien u.a.

Traditionell wird für den Abdruck rote Tinte oder Zinnober-Paste, die sogenannte „zhūshā” (朱砂) verwendet. Dabei werden vor allem zwei Arten verwendet:

eine Paste auf Seidenbasis: eine eher klebrige Paste aus leuchtendem Rot (aus pulverisiertem Zinnober, gemischt mit Rapsöl und Seidenfasern)

eine Paste auf Pflanzenbasis: einer loser gebundene Paste aus dunklerem Rot (aus ebenfalls Zinnoberpulver, vermischt mit Rapsöl und einer Beißfußmischung (Moxa))

(ill. 21/23)

 


5 Daneben werden Holz, Metall (vor allem Bronze), Elfenbein, Kunststoff und andere Materialien verwendet.